Dabbing ist eine Tanzfigur, die spätestens ab 2015 weltweit populär wurde: Hillary Clinton hat die Bewegung ebenso ausgeführt wie eine norwegische Prinzessin. In Saudi-Arabien kann man dafür aber im Gefängnis landen.

“Nein, nein, nein,….”, sagt der Sportreporter gleich 22 Mal ins Mikrofon als er das Spiel des saudischen Fußballclubs al-Nojoom für den Fernsehsender Dawri Plus kommentiert. Der Grund für die Entrüstung Anfang Jänner 2018 ist aber nicht in einem Tor durch die gegnerische Mannschaft zu finden. Einer der Spieler machte lediglich statt einem High Five mit einem anderem Spieler einen sogenannten Dab.
Ein Dab ist eine Bewegung, bei der der Arm angewinkelt hochgehoben wird, während gleichzeitig der Kopf in den Ellbogen gedrückt wird (als ob man in denselben niesen würde), der andere Arm wird zeitgleich ausgestreckt. Woher der Dab genau kommt bzw. wer ihn erfunden hat, ist umstritten. Klar ist, dass er Anfang dieses Jahrzehnts aus der Hip-Hop-Community Atlantas entstanden ist. Seither haben norwegische Prinzessinnen die Tanzfigur ebenso ausgeführt wie auch Hillary Clinton oder der Chef der Republikanischen Partei.

“Gefahren für die Jugend”

In Saudi-Arabien ist Dabbing hingegen verboten. Es wird von den Behörden mit illegalem Drogenkonsum in Zusammenhang gebracht. Sie beziehen sich auf eine angebliche Studie, laut der die Bewegung ein Symbol für Marihuanakonsum und andere Drogen sei. Die Kommission gegen Drogenmissbrauch im saudischen Innenministerium veröffentlichte vergangenes Jahr ein Poster, das die Leser “über die Gefahren dieser Bewegung für die Jugend und Gesellschaft” warnte.
Poster des saudischen Innenministeriums gegen Dabbing
Poster des saudischen Innenministeriums, das vor Dabbing warnt.
Dass die Behörden diese Warnung ernst meinen, bewiesen sie bereits 2017, als der saudische Schauspieler und TV-Moderator Abdallah al-Shaharani festgenommen wurde, nachdem ein Video von ihm auftauchte, auf dem zu sehen ist, wie er auf einem Festival einen Dab ausführt.
Ob der Fußballspieler ebenfalls mit einer Festnahme rechnen muss, ist indes noch unklar. Die saudische Fußballföderation kündigte jedoch Konsequenzen an.

Autor: Stefan Binder.
Veröffentlicht am 9.1.2018
Titelbild: Screenshot NCNC.