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Homosexualität im Libanon: Beschuldigte Soldaten werden nicht angeklagt

Fahne des Libanon. Foto: Abdallah Kheir (CC BY 2.0) https://www.flickr.com/photos/abdallah_k/4796361414/ https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/

Titelbild: „علم لبناني“ von  Flickr/abdallah kheir  ,Lizenz: (CC BY-NC-ND 2.0)

Schritt für Schritt wird Homosexualität im Libanon entkriminalisiert. Nun sogar im Militär.

Der Libanon ist immer noch für Überraschungen gut. Dieses Mal, kommt eine für die LGBTI+-Community positive Nachricht aus einer unerwarteten Ecke. Mehrere Soldaten in der libanesischen Armee werden strafrechtlich nicht verfolgt, obwohl ihnen Homosexualität vorgeworfen wurde. “Sodomie ist gesetzlich nicht strafbar”, sagte Militärrichter Peter Germanos am Samstag bei der Verkündung der Entscheidung. Das berichtet die libanesische Zeitung  “The Daily Star”.

Damit folgt ein Militärgericht den bereits gefällten Urteilen libanesischer Zivilgerichte. Diese haben schon in der Vergangenheit den umstrittenen Paragraphen 534 neu interpretiert und festgestellt, dass Homosexualität nicht “wider die Natur” ist. (siehe: Richter im Libanon: Homosexualität ist kein Verbrechen)

“Wider die Natur”

Der Paragraph sah für Beziehungen “wider die Natur” bis zu ein Jahr Haft vor. Doch ein Berufungsgerichtshof bestätigte vergangenes Jahr einen Freispruch von neun Personen, die der Homosexualität bezichtigt wurden. Stück für Stück entkriminalisiert die Judikatur des Libanon so Homosexualität. Der Libanon wäre damit nach Jordanien das zweite Arabisches Land, in dem Homosexualität nicht strafbar wäre.

Wie einige Bestimmungen im Libanon ist das  Gesetz ist ein Überbleibsel aus französischer Mandatszeit. Neue Gesetze oder eine Gesetzesform bleiben in Libanons konfessionellen Wirr-Warr und den ständigen Regierungskrisen ein frommer Wunsch. Daher kommt Gerichten eine bedeutende Rolle zu, bestehende Gesetze neu zu interpretieren. Das nun aber die Militärjustiz der Ansicht der Zivilgerichten folgt, ist dennoch überraschend. Denn die Armee ist im Libanon zwar hoch angesehen, aber nicht unbedingt für ihre progressive Haltung bekannt.

Aktive LGBTI+-Community

Trotz aller Fortschritte kommt es weiterhin zu gravierenden Einschränkungen der LGBTI+-Community: Die Dating-App Grindr wurde teilweise im Land blockiert, eine Pride-Parade musste nach Druck von Behörden vergangenes Jahr abgesagt werden. (siehe: Einzige LGBTI-Veranstaltung der Arabischen Welt abgesagt).

Aller Widrigkeiten zum Trotz hat sich im Land eine der aktivsten LGBTI-Szenen der Region entwickelt. Speziell in Beirut ist die Community aktiver und sichtbarer Bestandteil des Nachtlebens.

Autor: Stefan Binder
Veröffentlicht am 31.3.2019
Titelbild: „علم لبناني“ von  Flickr/abdallah kheir  ,Lizenz: (CC BY-NC-ND 2.0)

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Richter im Libanon: Homosexualität ist kein Verbrechen
Beirut Pride: Einzige LGBT-Veranstaltung der Arabischen Welt abgesagt
Wahlen im Libanon: The Good, the Bad, the Ugly
HRW.org:  Same-Sex Relations Not Illegal
Stefan Binder: Stefan Binder ist Journalist und Blogger in Wien.
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