Im Wahlkampf hatte Donald Trump versprochen, “die Scheiße” aus dem Islamischen Staat zu bomben. Nach seinem Sieg freut das ausgerechnet die Anhänger der radikal-islamischen Extremisten.

Seine Fans kann man sich bekanntlich nicht aussuchen – diese Erfahrung durfte Donald Trump nach seinem überraschenden Wahlsieg am 8. November machen. Neben Staatsführern aus aller Welt gratulierten dem Republikaner  uch die Front-National-Politikerin Marine Le Pen und David Duke, ehemaliger Anführer des Ku-Klux-Klan.

Begeisterung über den Sieg des Republikaners kam aber noch aus einer ganz anderen – unerwarteten – Ecke. Zahlreiche prominente Jihadisten frohlockten über den Sieg des Republikaners über Rivalin Hillary Clinton.

“I’m gonna bomb the shit out of ISIS”

Schon vor dem Wahlsieg Trumps wünschten sich viele Jihadisten einen Wahlsieg Trumps geradezu herbei. Das mag auf den ersten Blick überraschen, hat der Republikaner während seines Wahlkampfes doch versprochen “die Scheiße aus ISIS zu bomben”. Sogar einen Einsatz von Nuklearwaffen wollte er nicht ausschließen. Trotzdem – oder gerade deswegen – hofften führende Vertreter des IS, darunter der Sprecher der Extremistengruppe vor der Wahl: “Ich bitte Gott, dass er Amerika Trump schenkt.”

Viele hoffen auf den Niedergang der USA durch Trump. Einer der bedeutensten Proponenten im digitalen Jihadiversum ist dabei Abu Muhammad al-Maqdisi, einer der wichtigsten  jihadistischen Ideologen mit Verbindungen zur Al-Kaida. “Trumps Amtszeit könnte der Anfang von Amerikas Fragmentierung und er Ära des Zerfalls sein”, schrieb der palästinensisch-jordanische Salafist am 9. November.

Keine Grauzonen

Trumps anti-muslimische Rhetorik während seines Wahlkampfes schreckt radikale Islamisten nicht ab, sondern – im Gegenteil – spielt direkt die Hände der Jihadisten, deren Narrativ seit Jahren ist, dass der Westen einen Krieg gegen den Islam führt. In dieses Narrativ fügt sich auch das Weltbild des “Islamischen Staates” ein, der die Welt in zwei Reiche aufteilt: Dar al-Islam, das Haus des Islam und Dar al-Harb, das Haus des Krieges. Dazwischen – so versucht es der IS und seine Anhänger darzustellen – gibt es keine Grauzonen. Das ist auch eines der nicht ausgesprochene Ziele diverser Anschläge im Westen: das friedliche Zusammenleben in westlichen multikulturellen Gesellschaften soll zerstört werden, indem einzelne Gruppen der Gesellschaft gegeneinander aufgespielt werden und so das Narrativ weiter stärken. Auch jede Diskriminierung gegen Muslime stärkt somit das extremistische Weltbild, das westliche Gesellschaften in Wahrheit anti-islamisch und somit Teil des Dar al-Harb sind.

Aus dieser islamistisch-extremistischen Sicht, ist Trump der ideale Widersacher. Seine islamophoben Aussagen sollen Bestätigung dafür sein, dass die Welt in einem Krieg der Zivilisation zwischen Muslimen und Ungläubigen steht. Wie zum Beweis tweetete al-Maqdisi am Tag nach der Wahl: “Trump zeigt die wahre Mentalität der Amerikaner und ihren Rassismus gegenüber Muslimen, Arabern und allem.”

Hoffen auf die Apokalypse

Aber es gibt noch einen ganz anderen – apokalyptischen – Grund, warum IS-Anhänger durchaus begeistert von einem Trump-Sieg sind. Trumps Ankündigung einer stärkeren US-Involvierung gegen den IS, lässt viele auf einen großen Krieg mit dem Westen hoffen. Viele Anhänger der radikal-islamischen Gruppe glauben an die Prophezeiung der letzten Schlacht am Ende der Zeit, die in der unlängst befreiten nordsyrischen Stadt Dabiq stattfinden soll. (Dabiq ist auch der Name eines englischsprachigend Propaganda-Magazins, das vom IS veröffentlicht wird). Dieser Logik folgend, ist Trumps Sieg der Anfang vom apokalyptischen Ende.

Weniger apokalyptische Jihadisten, wie der ägyptische Salafist Tariq Abdel Haleem führt auf Twitter einen pragmatischeren Grund an, sich über Trumps Sieg zu freuen: “Trumps Sieg mag kurzfristig schlecht für uns  sein. Langfristig ist es aber besser für die Muslime, weil er die USA ruinieren wird”.

Veröffentlicht am 19.11.2016. Titelbild: Gage Skidmore/Flickr (CC BY-SA 2.0)