Die an-Nuri-Mosche und sein schiefes Minarett, Mossuls markantestes Wahrzeichen und Symbol der Stadt, soll rekonstruiert werden.

840 Jahre lang galt sie als Symbol der Stadt – in guten wie in schlechten Zeiten. Abu Bakr al-Baghdadi proklamierte 2014 hier sein Kalifat, drei Jahre später sprengten seine Extremisten des “Islamischen Staates” (IS) das Gebäude.

Nun, mehr als ein halbes Jahr nach der blutigen Rückeroberung der irakischen Metropole Mossul, soll ihr berühmtestes Wahrzeichen wieder aufgebaut werden: Die an-Nuri-Moschee (جامع النوري) und ihr auffälliges, schiefes Minarett, wegen seiner Neigung auch al-Hadba’ (الحدباء , “der Bucklige”) genannt.

Die Moschee ist von hoher symbolischer Bedeutung. Ihr Erbauer, Nur ad-Din Zengi, Statthalter von Aleppo und Mossul im 12. Jahrhundert, ordnete die Errichtung der Moschee im Jahr 1172 an. Nur ad-Din ist berühmt dafür, die muslimischen Kämpfer des Mittelalters mobilisiert und vereinigt zu haben, um gegen die Kreuzritter zu Felde zu ziehen. Er war es auch, der während seiner 28-jährigen Herrschaft die islamischen Territorien Syriens vereinigte. (Mehr dazu in: Bangen um Mossuls schiefes Minarett)

50 Millionen-Dollar für Wiederaufbau

Die neunmonatige Schlacht um die zweitgrößte Stadt des Iraks hat tausenden Menschen das Leben gekostet und weite Teile der Stadt in eine Ruinenlandschaft verwandelt. Alles was nach den Schrecken des Krieges von dem weitläufigen Gebäude im Herzen der Stadt übrig blieb, war das Fundament des Minaretts und eine Kuppel des Hauptgebäudes, die nur noch von einigen wenigen Säulen gestützt wird.

Nun will die UNESCO, die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur, die Moschee und sein markantes Minarett wiederaufbauen. Finanziert wird das zum Großteil von den Vereinigten Arabischen Emiraten, die 50 Millionen US-Dollar dafür zur Verfügung stellen. Laut UNESCO-Angaben ist es das größte derartige Projekt in der Geschichte des Irak.

Dass die Bekanntgabe der Rekonstruktionspläne diese Woche aus Sicherheitsgründen in Bagdad und nicht in Mossul selbst stattfand, sagt einiges über die weiterhin fragile Sicherheitslage in Teilen des Landes aus.

Schiefes Minarett

Mit dem Wiederaufbau wird man sich allerdings noch Gedulden müssen: Im ersten Jahr des Projekts soll zunächst der Schaden dokumentiert und die Reste der Moschee von Geröll befreit, sowie Pläne für die Rekonstruktion gezeichnet werden. Erst die folgenden vier Jahre soll gebaut werden. Neben der großen Gebetshalle und dem Minarett sollen auch weitere zur Moschee gehörenden Gebäude sowie die Gärten und öffentliche Plätze in neuem Glanz erstrahlen. Auch ein Denkmal und ein Museum soll errichtet werden.

Für die Kulturministerin der Vereinigten Arabischen Emirate, Noura al-Kaabi, geht es nicht nur um den bloßen Wiederaufbau, sondern auch darum “der irakischen Jugend wieder Hoffnung zu geben”, wie sie bei einer Veranstaltung am Montag in Bagdad sagte.

Minarett von Mossuls großer Moschee
Das schiefe Minarett von Mossul. Foto: Quentin Bruno (CC BY-NC-ND 2.0).

Unklar ist, ob es möglich ist, beim Wiederaufbau des Minaretts seine typische Neigung wiederherzustellen. Das auffällig geneigte Minarett der Moschee war – neben einigen Säulen und einer Gebetsnische – der einzige Teil der Moschee der noch aus dem 12. Jahrhundert stammte.

Warum sich das Minarett eigentlich geneigt hat, ist bis heute nicht völlig geklärt. Klar ist nur, dass bereits im 14. Jahrhundert vom schiefen Minarett berichtet wurde. Experten vermuten, dass möglicherweise Sonneneinstrahlung auf Gips und Ziegel die Ursache sein könnten. Im lokalen Volksglauben entstand die Neigung, als sich “der Bucklige” vor dem Propheten Mohammed verbeugte, als dieser auf dem Weg ins Paradies war.

Autor: Stefan Binder.
Veröffentlicht am 25.4.2018
Titelbild:  United States Library of Congress‘s Prints and Photographs division under the digital ID matpc.16200.

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